| |
Mönchsrepublik Athos
Gebet und Arbeit auf dem heiligen Berg

Die Halbinsel Athos wird durch eine unsichtbare
Grenze streng geteilt: der weltliche Athos auf der einen und die
Mönchsrepublik Athos auf der anderen Seite. In der Republik der
Klöster entdeckt man eine Welt, wie man sie wahrscheinlich nirgendwo
anders auf der Erde antrifft. Es liegt am Ende eines der Chalkidiki
"Finger".
Nicht weniger als 50 Großklöster umfasst die autonome, jedoch nicht
souveräne Mönchsrepublik auf dem heiligen Berg Athos.
Für Besucher ist es ganz wichtig zu wissen, dass der heilige Berg –
und damit alle Klöster – für Frauen absolut tabu ist.
Weder Frauen noch weibliche Haustiere dürfen die Mönchsrepublik
betreten.
Angeblich soll dieses Tabu nur in der Zeit des griechischen
Bürgerkriegs gebrochen worden sein, als weibliche Partisanen in die
verbotene Zone eingedrungen waren.
Die Gründe für dieses absolute Verbot jeglicher Weiblichkeit sind
verschieden, doch liegt die Quintessenz wohl darin, dass die Mönche
nicht in Versuchung geführt werden sollen.

Aber auch Männliche Besucher müssen sich vorher eine Erlaubnis
einholen um dort einige Tage beten und meditieren zu dürfen.
Wer als Besucher ein Kloster betritt und annimmt, dass er eine
mittelalterliche Welt antrifft, an der die moderne Zeit spurlos
vorübergegangen ist, der wird enttäuscht.
Mönche mit einem Handy am Ohr oder über einen
Laptop gebeugt sind hier ebenfalls ein gewohnter Anblick, wie
solche, die auf modernen Traktoren die Felder bearbeiten.
Das Mönchsleben hat eben nicht nur das Gebet zum Inhalt, es ist auch
durch Arbeit geprägt. Sei es in der Landwirtschaft oder als
Handwerker und Künstler, das Arbeitsspektrum der Mönche ist breit
gefächert.
Streng sind auch die Essgewohnheiten, da an jedem
Mittwoch und Freitag gefastet wird. An diesen Tagen darf nur eine
einzige, sehr karge Mahlzeit verspeist werden. Die männlichen
Besucher sind auch an diese Fastentage gebunden und wohnen in
einfachen Mönchszellen. Es wird keine gesonderte Urlauber Behandlung
angeboten.

Auch die Glaubensgemeinschaften sind je nach
Kloster sehr unterschiedlich.
Das älteste und zugleich wichtigste Kloster ist das Moni Megistis
Lavras.
963 gegründet, liegt es auf einem Felsplateau unmittelbar am Berg
Athos und erscheint
aus der Ferne wie eine mittelalterliche Stadt. Eine besondere
Attraktion ist die Klosterbibliothek, in der viele historische
Handschriften aufbewahrt werden.
Moni Grigoriou, ein relativ junges Kloster aus dem 14. Jahrhundert,
hat neben seiner wunderschönen mit Fresken ausgestatteten Kirche
auch eine Ikone mit der „Stillenden Gottesmutter“ als
Sehenswürdigkeit zu bieten.
Mit einer abenteuerlichen Bauweise kann das Moni Dionisiou
aufwarten, dessen unzählige Balkone und Gebäudeteile über einen
Abgrund ragen, und nur durch Holzpfeiler mit dem übrigen
achtstöckigen Bau verbunden sind.
Daneben gibt es noch viele andere Klöster zu sehen, und es wird wohl
mehr als nur einen Urlaub in Anspruch nehmen, um die Mönchsrepublik
Athos zu besichtigen und sich vom Geist dieser für moderne Europäer
kaum fassbaren Welt umwehen und inspirieren zu lassen.
|
|
|