Auf halbem Weg zum Himmel – Die Meteora
Klöster

Eine Szene wie aus einem Traum: Auf bizarren Felsspitzen thronen
alte Klosterbauten über einer weiten Ebene. Raubvögel kreisen
darüber. Ein Klangholz ruft zum Gebet.
Wer dies alles in Wirklichkeit erleben will, sollte in die
griechische Festlandsregion Thessalien reisen. Dort haben, nahe dem
heutigen Städtchen Kalambaka, Mönche auf zahlreichen hohen
Felsnadeln zwischen dem 11. und dem 16. Jahrhundert die Meteora
Klöster errichtet. Die Bauten scheinen bei diesiger Sicht regelrecht
„in der Luft schwebend“ (griech. „meteoro“) zu sein und
gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Bild des Griechenlandfreundes und weltbekannten Fotografen Fred
Boissonas im Jahre 1908
Um den Wirren des weltlichen Lebens zu entsagen, schufen die Mönche
hier im Laufe von Jahrhunderten 24 einzelne Klöster und Eremitagen
in luftiger Höhe, mehrere hundert Meter über der Ebene. Diese waren
früher nur durch lebensgefährliche Kletterei und Strickleitern zu
erreichen. Lasten und Menschen wurden oft mit Flaschenzügen in
Netzen herauf gehievt. Hier oben fühlt man sich noch heute dem
Himmel näher und genießt einen wundervollen Blick über Wiesen,
Schluchten und Dörfer bis zum schneebedeckten Olymp in der Ferne.

Gegenwärtig sind noch sechs der Klöster bewohnt: vier davon mit
Mönchen (sie bilden die wichtigste griechisch-orthodoxe
Mönchsgemeinde außerhalb des heiligen Berges Athos) und zwei mit
Nonnen. Bei Führungen kann man viel über das Alltagsleben in den
Klöstern lernen, reich geschmückte Kirchen und kleine Museen
bewundern.
Das größte bewohnte Meteora-Kloster ist Metamórphosis, auch
Megálo Metéoro genannt. Es umfasst einen Gebäudekomplex samt
Garten von etwa 60.000 Quadratmetern. Heute erreicht man es über
eine Steintreppe mit 143 Stufen und einen Tunnel. Sehenswert ist
hier die Einsiedlerhöhle des Athanasios, des wichtigsten
Gründervaters des Klosters im 14. Jhd., sowie Fresken aus dem Jahr
1552.

Mönche leben heute auch noch in den Meteora-Klöstern Agios
Nikolaos Anapavsas, Agia Triada und Varlaam.
Bewohnte Nonnenklöster sind Agios Stephanos
und Rousanou. Mit der Beschaulichkeit des Klosterlebens ist
es heute leider vorbei, da sehr viele Touristen die Klöster
besuchen.
Diesen Urlaubertrubel nehmen die Mönche und Nonnen aber gerne auf
sich, denn mit den Einnahmen helfen Sie Not leidenden und errichten
vor allem Kirchliche Bauten, in der nahen Umgebung aber auch überall
im Ausland, wo sich griechisch Orthodoxe Gläubige aufhalten.
So wurde eine Kirche in Nord Epirus (heute Süd Albanien) durch ihre
finanzierung renoviert und restauriert, die vom ehemaligen Gottlosen
Regime in eine Feuerwehrstation umfunktioniert wurde.

Um 17 Uhr werden jedoch die letzten Gäste zum Ausgang geleitet, und
die Mönche versammeln sich zum Gebet. Sie nehmen im Refektorium ihr
Nachtmahl ein, das aus Suppe, Gemüse, Brot, Wasser und einem Glas
Wein besteht.
Ein Bruder liest während des Essens aus der Bibel vor. Um 20 Uhr
ziehen sich die Mönche zur Nachtruhe in ihre Zellen zurück. Denn
bereits kurz nach Mitternacht beginnt mit einem Frühgottesdienst der
neue Tag. Über die Jahrhunderte fanden die Mönche viel Zeit, um die
Klöster mit Wandmalereien zu verzieren, kunstvolle, alte Bibeln
herzustellen und zu übersetzen.

Die Klöster sind ganzjährig geöffnet. Jedes hat an einem anderen Tag
Ruhetag. Es sind also nie alle gleichzeitig geschlossen so dass Sie
immer vorbei reisen können.
Für Besucher herrscht eine strikte strenge
Kleiderordnung. Schultern und Arme sind bei beiden Geschlechtern
grundsätzlich bedeckt zu halten. Außerdem müssen Männer lange Hosen
und Frauen lange Röcke/Schürzen anziehen. Fehlende Kleidungsstücke
können meist in den Klöstern geliehen werden. |