Griechische Traditionen -
Beerdigung in
Griechenland
Gerade auf dem griechischen Land sind
Familienbande noch sehr erhalten. Auch wenn man nicht im gleichen
Haus wohnt sehen sich Verwandte in der Regel täglich.
Die Männlichen Verwandten treffen sich spätestens abends im Kafenion
um gemeinsam Karten "Kolitsína" oder Bachgammon "Távli" zu spielen
oder einfach über Politik, den Alltag Gott und die Welt zu sprechen.
So ist ein Verlust eines Verwandten immer ein
schreckliches Ereignis. Das "Gute" an der Sache ist hier der soziale
Zusammenhalt nicht nur der Großfamilie in Griechenland sondern fast
des ganzen Dorfes.
Alle sind zur Stelle um zu helfen und zu trösten. Wer schon mal
einen schmerzhaften Verlust erleiden musste war froh wenn Leute um
ihn waren um abzulenken und zu helfen, auch wenn der Tod immer im
Vordergrund war. Nach der
traurigen Kunde weiß der Priester des Dorfes meist schon Bescheid oder
wird sofort informiert. Nach dem Gebet und der Segnung des
Verstorbenen werden die Glocken (tagsüber) mit der
charakteristischen Trauerfolge geläutet (Glockenschläge bei Trauer
in Griechenland: 1x lang & 2x kurz, in mittleren Abständen mehrmals
hintereinander), so das alle im Ort die es noch nicht wissen davon
Kenntnis nehmen. Traurige oder böse Nachrichten verbreiten sich in
Griechenland dann wie ein Lauffeuer. Durch die automatisierten
Glockenschläge kann heute von Kirche zu Kirche der Trauerschlag
etwas variieren.
Der Tote wird meist von den engsten
Familienmitgliedern vorbereitet, gewaschen und angezogen. Diese
Tradition wird seit der Antike unverändert beibehalten, damals
nannte an sie Próthesi.
Es
eröffnen aber auch immer mehr Bestattungsunternehmen die solche
Aufgaben übernehmen, vor allem werden sie hinzugezogen wenn es sich
um Unfallopfer o.ä. handelt, wo Facharbeit notwendig ist.
Nach und nach kommt das ganze Dorf vorbei, auch in
den umliegenden Dörfern werden Bekannte und Verwandte verständigt
die alle erscheinen um Ihr Beileid auszusprechen.
So wie die Griechen dickköpfig sind, besteht mit dem einen oder
anderen auch mal Streit. Dieser wird bei Beerdigungen in
Griechenland beigelegt und es erscheint wirklich jeder.
Über der Haustüre wird ein viereckiges schwarzes Tuch,
als Zeichen dass in diesem Haus getrauert wird, angebracht.
Am Tag vor der Beerdigung wird der Sargdeckel vor die Haustüre
gestellt, damit alle die von auswärts kommen und das Haus nicht
kannten, es an diesem erkennen.
Der Sarg wird in der Regel offen ins Wohnzimmer
gestellt. Dort wachen die Frauen der Familie. Die Männer sitzen
meist im Hof und unterhalten sich über die Todesursache und das
Leben der/des Verstorbenen. Es wird Mokkakaffee und Metaxa gereicht.
Der Kaffee wird in großen Mengen von Frauen in der Küche
vorbereitet, mittelsüß damit alle Geschmacksrichtungen einigermaßen
getroffen werden und auf Tabletts zu mehreren Tassen den
Trauergästen angeboten.
Auch hier greift einem die Verwandtschaft unter die Arme indem jeder
Tassen, Schnapsgläser usw. mitbringt.
Abends bleiben viele der Verwandten die ganze Nacht
über zur Totenwache.
Die Männer der Verwandtschaft haben sich gleich am Anfang um den
ganzen Ablauf gekümmert, also den Sarg bestellt, Arbeiter angeheuert
um das Grab auszuheben oder das Familiengrab abzudecken und
vorzubereiten, denn in Griechenland wird hauptsächlich wegen der
Hitze schnellst möglich beerdigt.
Wenn jemand nachts gestorben ist kann es gut sein dass die
Beerdigung im Sommer schon am kommenden Vormittag ist.
In Fällen wo engste Angehörige im Ausland oder in griechischen
Großstädten leben, wird eine Kühlkammer in den Krankenhäusern in
Anspruch genommen und die Beerdigung um einen Tag verschoben.
Wenn der Verstorbene im Ausland starb, wird je nach
seinem und dem Willen der Verwandten entschieden ob der Leichnam in
die Heimat zurückgeführt und beerdigt wird
oder, wenn die engen Verwandten weiter im Ausland wohnen bleiben
werden, vor Ort begraben.
Sicher ist so eine Überlegung auch mit den erheblichen Kosten
verbunden, die eine Überführung eines Leichnams kostet.
Trauerzeremonie in der griechisch orthodoxen
Kirche
So wie die Nachricht des Todes
verbreitet wird, erfahren auch alle wann die Beerdigung angesetzt
ist. Zu der Zeit regeln alle ihre Arbeit so, dass sie zur
Beerdigungszeremonie in der Kirche sind.
Kurz bevor der Priester mit dem Trauerzug vom Haus
der/des Toten in Richtung Kirche losgehen, läuten wieder die Glocken
Trauer.
Der Sarg wird von männlichen Verwandten oder meist mit einem
Leichenwagen zur Kirche getragen. Hinter dem Wagen laufen der
Priester die Verwandten des Toten und die meisten aus dem Dorf her.
In der Kirche wird der offene Sarg in der Mitte
aufgestellt wo alle noch mal Abschied vom trauernden nehmen können.
In Griechenland gehört der Tod zum Leben und man ist der allgemeinen
Ansicht, dass man sich am besten von einem Toten verabschieden und
seinen Tod selbst verarbeiten kann, wenn man ihn noch mal im Sarg
sieht.
Es gibt keine Angst, Scheu oder gar Abscheu vor Toten. Nach der
Trauerzeremonie stellen/setzen sich die engsten Verwandten der Reihe
nach auf und alle Trauergäste gehen an ihnen vorbei und drücken noch
mal ihr Beileid aus. Dann wird
der Sarg im Trauerzug zum Friedhof gebracht um dort beigesetzt zu
werden.
Nach der Beerdigung und auch die darauf folgenden Tage, sind immer
Verwandte im Haus um Trost und Hilfe zu spenden und die trauernden
abzulenken.
Jeden Nachmittag geht man gemeinsam zum Friedhof und zündet das
obligatorische "Kantili" an, einen Docht der in einen
Schwimmer aus Korken in einem Glas Olivenöl schwimmt.
Die Witwen machen diesen Gang zum lebenslangen Ritual und gehen
möglichst täglich zum Friedhof um das Grab zu pflegen und das "Kantíli"
anzuzünden. In einigen Fällen
ist es den Priestern nicht erlaubt Verstorbene kirchlich zu
begraben: 1) die ungetauften
Babys (siehe "Lufttaufe" unter Geburt)
2) die von der Kirche exkommunizierten
3) Allgemein nicht Christen
4) Tote aus Duellen (in früheren Jahren)
5) Selbstmörder
Nach der Beerdigung in Griechenland
Nach 7 bis 9 Tagen "ta enniá"
wird in der Kirche eine Trauerzeremonie gehalten. Es wird ein großes
"Litourgiá" und ein kleines flaches Brot "Ýpsoma" dem
Priester übergeben und in der "Litourgié", der Messe,
gesegnet.
Nach der Kirche wird jedem traditionell ein Stück von der "Leitourgiá"
(dem großen Brot) und eine Hand voll "Kóliva" (gekochter
Weizen leicht gezuckert) gegeben.
Alle Kirchengänger gehen an den Trauernden vorbei und drücken wieder
ihr Beileid aus. Danach geht das ganze Dorf und Bekannte aus der
Gegend zum Haus der Trauernden. Wie auch bei der Beerdigung wird
Kaffee und Weinbrand gereicht.
Das selbe Ritual wird nach 40 Tagen und einem Jahr wiederholt. Die
Witwen trugen ab dem Tod des Ehemannes ihr Leben lang schwarze
Kleidung und schwarzes Kopftuch, die Ehemänner trugen ein Jahr ein
schwarzes Trauerband am Arm.
Die engsten Verwandten trugen die entsprechende Trauer 40 Tage lang.
Im Haus der Trauernden waren ein Jahr
lang jegliche Medien (Fernseher, Radio, oder gar Musik) tabu, denn
dies wurde als Beleidigung des Toten angesehen.
Heute ist diese Tradition lockerer, wobei natürlich auf Musik und
Feiern verzichtet wird. Es
werden auch keine griechischen Namenstage oder sonstige Feste
gefeiert, dass wissen auch alle im Ort und gehen an diesen Tagen
nicht wie üblich hin.
Weihnachten, Ostern und sonstige Kirchliche Feiertage werden von den
trauernden in Griechenland die Messen in der Kirche besucht, sonst
wird aber auf weitere Traditionen wie das Osterlamm am Spieß
verzichtet. Die Gräber der
griechischen Toten werden möglichst mit viel und schmuckvollem
Marmor verkleidet. Je nach finanzieller Lage der Familie kostet
solch ein Grab mehrere Tausend Euro.
Früher wartete man bis kurz vor dem Jahrestag mit der Verkleidung
des Grabes, damit sich die Erde setzen kann. Heute wird eine
Betonplatte über die Ränder des Grabes hinaus gegossen und darauf
die Grabverzierung montiert.
In Deutschland sind z.B. die Gräber enger gesetzt und dort wird
seitlich gebohrt und eine Art senkrechte Träger gegossen. Außer den
Platzgründen ist ein weiterer Grund warum in Deutschland so
gearbeitet wird, dass viele über dem Grab Erde haben möchten um dort
Blumen zu Pflanzen. Hier ist das eher eine Seltenheit, aus
verschiedenen Gründen.
Zum einen sind oft die engsten Verwandten der Toten im Ausland oder
in Großstädten wie Athen oder Thessaloniki tätig und können sich nur
ein paar mal, wenn überhaupt um das Grab kümmern.
Zum andren darf man die in Griechenland herrschenden klimatischen
Verhältnisse nicht vergessen, mit langen dürren und trockenen
Sommern. Daher werden eher Blumengefäße aus Marmor genutzt, in denen
natürliche Blumen gepflanzt oder künstliche gelegt werden.
Ausnahmen nach Beerdingungen bzw. im Trauerjahr
Es gibt einige Ausnahmen die im
Trauerjahr erlaubt sind. Wenn beispielsweise eine Hochzeit wegen
"unerwarteter" Schwangerschaft anstand, wird diese im engsten Kreise
der Familie durchgeführt. Je nach Alter und evtl. letztem Wunsch
der/des Verstorbenen wird auch etwas getanzt. Natürlich freut man
sich, die ganze Atmosphäre ist aber reichlich gedämpft.
Ebenfalls sind Taufen auch im Trauerjahr kein
Problem, es wird aber auch hier auf Musik und Feiern verzichtet. Da
es heute aber kaum Kindersterblichkeit mehr gibt wie in früheren
Jahren, werden die Kinder nach dem Trauerjahr getauft.
Auch geplante Hochzeiten werden möglichst nach den Trauerjahr
verschoben, denn man heiratet (in der Regel) ja nur einmal im Leben
und möchte dies auch entsprechend feiern.
Darf eine Witwe in Griechenland
wieder Heiraten?
Früher haben die Witwen die schon
Kinder hatten, auch wenn sie ihren Mann in jungen Jahren verloren,
niemals mehr geheiratet. Sie haben sich mit der Hilfe der
Verwandtschaft um die Kinder gekümmert. Dies schrieb kein Gesetz vor
wurde aber so von den Frauen selbst eingehalten.
Heute wird das in den meisten Gegenden nicht mehr so
eng gesehen. Es liegt am Alter der Kinder und an ihrem eigenen
Ermessen ob sie irgendwann wieder heiratet.
Eine meiner Nichten zum Beispiel wurde im zweiten Ehejahr, während
ihrer ersten Schwangerschaft durch einen Autounfall zur Witwe. Durch
das Elternhaus konservativ erzogen, weigert sie sich auch heute nach
mittlerweile sieben Jahren eine Bekanntschaft/Ehe einzugehen, trotz
dem Zuspruch der Eltern und der Verwandten.
In der Regel gehen heute aber junge
und jüngere Witwen nach einiger Zeit wieder Beziehungen oder Ehen
ein. Bei Männern ist es so dass
sie nicht mehr heiraten wenn sie ab einem gewissen Alter zu Witwern
werden. Wenn jedoch kleine Kinder in der Familie leben, wird meist
schnell nach dem Trauerjahr geheiratet, alleine schon wegen der
Versorgung und Erziehung der Kinder.
Eine moderne griechische Unsitte
Eine Mode, die in den letzten Jahren
leider auch in Griechenland ihre Erscheinung machte ist, dass
pubertierende Opas sich jüngere oder ganz junge Frauen aus Albanien
und dem ehemaligen Ostblock suchen und heiraten. Da spricht
normalerweise nichts gegen.
Da die Männer aber oft das Familieneigentum erst mit dem Testament
vererben und die jüngeren Damen es darauf abgesehen haben, sind böse
Familienstreite vorprogrammiert.
Erst recht auf dem Land, arbeitet die ganze Familie am und für das
Familieneigentum, wie es schon seit eh und je Tradition war. Dann
bekommt Opa der das Eigentum ja auch nur von seinen Eltern geerbt
hat um es dann an die Kinder weiterzugeben, einen "Rappel" (unser
ehemaliger Ministerpräsident Andreas Papandreou hat es ja mit einer
vollbrüstigen griechischen Stewardess vorgemacht) und enterbt den
ganzen Familienclan und überschreibt bzw. verkauft alles und
hinterlässt es seiner "großen Liebe".
Da wird keine Rücksicht auf die Kinder, Enkelkinder oder die sonst
so wichtige Ehre genommen. Oft auch nicht auf die noch lebende
Ehefrau die einfach aus dem Haus geschmissen wird.
Da befinden sich die Kinder auch in einem Dilemma,
erst recht wenn die Mutter nicht mehr lebt. Die Eltern wurden und
werden traditionell von den Kindern geschätzt und geehrt. Das ist
auch in der Regel immer noch in ganz Griechenland so.
Was nun machen? Die langjährige Mühe der Mutter und der Kinder
selbst einfach abschreiben und ganz von vorne anfangen (oft im Alter
von 40 Jahren oder älter) oder einen langwierigen Prozess anstreben
der die sowieso schon angeknackste Familienehre ganz in den Grund
stößt?
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