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Thassos Nordägäische Insel Griechenland

Thasos oder Thassos (griechisch Θάσος) ist eine Insel im Nordosten Griechenlands im Ägäischen Meer, ca. acht Kilometer von der makedonisch-thrakischen Küste entfernt. Sie ist die nördlichste Insel des griechischen Archipels. In frühen Dichtungen und Beschreibungen wird die Insel auch Äria, Hethria, Chryssi, Hedonis oder Akti genannt.

Thasos ist als Dimos Thasou (Δήμος Θάσου) eine der elf Gemeinden der griechischen Präfektur Nomos Kavalas (Νομός Καβάλας) in der Verwaltungsregion Ostmakedonien und Thrakien (Ανατολική Μακεδονία και Θράκη, Anatolikí Makedonía ke Thráki). Laut der Volkszählung von 2005 hat Thasos etwa 16.000 Einwohner, Hauptort der Insel ist der auch „Limena“ genannte Küstenort Thasos.

Auf der Insel Thasos befand sich der älteste Untertage-Bergbau Europas, in dem Rotocker gewonnen wurde, mit spektakulären jungsteinzeitlichen Funden. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass die Insel zur damaligen Zeit innerhalb des Nordägäischen Schelfs noch mit dem Festland verbunden war.

Geographie
Satellitenbild der InselGeographisch zählt die Insel zur Region Thrakien. Mit einer Fläche von rund 380 Quadratkilometer ist sie die zwölftgrößte Insel Griechenlands. Der höchste Berg auf der gebirgigen Insel ist der Ypsario (Ψαριό oder Υψάριο) mit 1204 Metern. Der Gipfel ist Teil eines Marmormassivs. Der Hauptinsel sind drei kleinere Inseln vorgelagert: Thasopoulo im Norden, Kynira im Osten und Panaghia im Süden mit Flächen von je etwa 0,4 Quadratkilometer und Erhebungen von 60 bis 80 Metern. Der frühere Hauptort war Theologos im Inneren der Insel.

Mythologie
Zur Herleitung des Namens der Insel gibt es verschiedene mythologische Varianten. Die erste, meistgenannte, besagt, dass Thasos, Sohn des phönikischen Königs Agenoras, während der Suche nach seiner Schwester Europa, die von Zeus als Stier entführt worden war, auf die Insel kam und sich hier ansiedelte. Dieser phönikischen Version steht eine parische Variante gegenüber, die besagt, dass Herkules einst die Insel dem parischen König Androgenos schenkte, der sie wiederum seinen Söhnen Stenelos und Alkaios vermachte. Der erste parische Ansiedler soll Thasos gewesen sein. Dem Anführer der parischen Kolonisten, Telessikles, soll das Orakel von Delphi befohlen haben, auf der Insel „Äria“ eine Stadt aufzubauen (nach Eusebios VII,256).


Geschichte


Vorgeschichte


Jungpaläolithikum
Nordägäischer Schelf, um etwa 14.000 (oder etwa 16.000) v. Chr.In der jüngeren Altsteinzeit (20. Jahrtausend v. Chr.) war die heutige Insel Thasos über eine ebene Landbrücke mit dem Festland verbunden. Die westliche Küste der Thasos-Halbinsel setzte in einer Bucht etwa zehn Kilometer südlich des heutigen Kavala an, verlief nach Süden und erreichte die heutige Insel etwa bei Skala Maries. Die Ostküste erstreckte sich vom Südende der Bucht von Potamia nach Ostnordost.

Tier wie Mensch hatten über die breite Landbrücke einen ungehinderten Zugang in den Bereich dieser Halbinsel. Die ersten Anzeichen menschlichen und tierischen Lebens fanden sich im Südosten von Thasos in einem ins Inselinnere reichenden Tal, etwa 15 Kilometer von Skala Maries entfernt. Im Bereich der Eisenerzvorkommen von Mavrolakka wurden dort 1956 die Rotocker-Abbaue von Tzines entdeckt (siehe Bergbau, Rotocker). Vor allem die Datierung von Knochenfunden aus dem dortigen Abbau T1 weist in die zweite Hälfte der Altsteinzeit, in das Jungpaläolithikum.

Die Anwesenheit des Menschen in den fruchtbaren Küstenebenen Thrakiens im Paläolithium war bereits durch verschiedene Funde, u. a. in der Ebene von Komotini, bekannt. Es waren unbehauste Menschen, die von Jagd, Fischfang und dem Sammeln von Nahrung lebten. Im Bereich von Tzines nutzten sie möglicherweise bergbauliche Hohlräume oder natürliche Höhlen als Unterschlupf. Mit dem Eisenerzabbau im 20. Jahrhundert dürften entsprechende Hinweise verloren gegangen sein.

Die große Anzahl von Hornwerkzeugen bezeugt das Auftreten des Auerochsen Bos taurus primigenius und setzt eine Zeit voraus, in welcher Thasos über die Landbrücke noch mit dem Festland verbunden war. Die gefundenen abgearbeiteten Hörner der Antilopen-Gattung Saiga tatarica, sind definitiv vor das 10. Jahrtausend v. Chr. zu datieren. Die Saiga gab es zuletzt noch vor 13.000 Jahren in den ukrainischen Steppen.


Neolithikum
Pflanzenanbau und Tierhaltung führten im Neolithikum zur Niederlassung in festen Siedlungen, Errichtung von Stein- oder Pfostenhäusern unter Verwendung von Lehm und gebrannten Ziegeln. Keramikwaren finden sich im täglichen Gebrauch und in der Vorratswirtschaft.

Nach dem Stand der Forschung von 1996 ist die älteste Siedlung auf Thasos, die diesem Muster entspricht, die 1986 entdeckte und 1993 bis 1994 ausgegrabene Ansiedlung im Südwesten der Insel, am Westrand des heutigen Ortes Limenaria. Der Siedlungsbereich liegt am südwestlichen Ende einer Hügelkette, nahe der Küste. Die Besiedlung erfolgte im 6. Jahrtausend v. Chr., in der letzten Phase des Mittelneolithikums. Überreste an der Oberfläche deuten darauf hin, dass die Ansiedlung noch im Jungneolithikum bevölkert war. Ergraben wurden Pfostenlöcher, Reste von Steinmauern, Terrassenpflasterungen, Herdstellen und eingetiefte runde Erdsilos oder Vorratsgruben mit Vasenfragmenten, Werkzeugen verschiedener Art sowie einer Beerdigungsstätte. An anderer, hangaufwärts gelegener Stelle des Hügels existieren Siedlungsschichten aus der Älteren Bronzezeit, ausgegraben 1995 und 1996.

Bei erkennbaren Unterbrechungen erstreckten sich die bergbaulichen Tätigkeiten im Rötelabbau T1 in Tzines vom Jungpaläolithikum über einen längeren Zeitraum bis ins Neolithikum. Am Hang über T1 wurde ein weiterer untertägiger Abbau entdeckt. Da keine Hornwerkzeuge und nur wenige Flintwerkzeuge gefunden wurden, hier also eine andere Gewinnungsmethode zur Anwendung kam, handelt es sich um eine jüngere Abbauperiode als bei T1 (Jungpaläolithikum). Hinzu kommen die Untertagebaue T3 und T6, die ebenfalls hier einzuordnen sind. Die späteste Datierung dieser Baue liegt im Altneolithikum, bei etwa 6400 v. Chr. Allerdings ist ein Abbau bis ins Mittelneolithikum (5. Jahrtausend v. Chr.) nicht unwahrscheinlich.

Ebenfalls in das Neolithikum datiert werden eine Grotte in Skala Marion sowie ein wahrscheinlicher Siedlungsplatz am Akropolisberg von Limena durch Funde von Gefäßen, Werkzeugen und Keramiken am Akropolishang.

Als die wichtigste Grabungsstätte von Ostmakedonien und Thrakien wird die von Kastri bezeichnet. Fünf Kilometer vom heutigen Küstenort Potos entfernt, mit steilem Anstieg auf eine Höhe von 278 Meter, liegen auf einem hoch aufragenden Felsplateau die Überreste einer prähistorischen Akropolis. Ihre Gründung geht in die Mittel- bis Spät-Jungsteinzeit zurück. Die Siedlung im Bereich von Kastri dürfte bis in die Frühe Eisenzeit bewohnt gewesen sein, was sich aus den Ausgrabungen in den naheliegenden Nekropolen schließen lässt.


Bronzezeit
In der vorgriechischen, präkolonialen Periode waren die Bewohner der Insel Angehörige thrakischer Stämme. Thasos erlebte Ende des achten und in der ersten Hälfte des siebten Jahrhunderts einen ökonomischen Aufschwung. Grundlage hierfür war sicherlich die auf Thasos in der Frühen Eisenzeit einsetzende bzw. verstärkte Ausbeutung von Bodenschätzen, insbesondere von Eisen, Blei und Silber. Außerdem fand reger Handel mit den Inseln der nördlichen Ägäis und mit Kleinasien statt, was vielfältige Keramikimporte beweisen. Mit den Funden aus dem Artemision zeigt sich ein Überfluss und Reichtum an Opfergaben, die auch den handwerklichen Fortschritt auf Thasos manifestieren.

Dabei könnte aber auch das Zusammentreffen zweier Kulturen, die eine aus dem Süden, die andere aus dem Nordost-Raum der Ägäis oder aus Kleinasien stammend, eine Rolle gespielt haben. Möglicherweise haben sich Phöniker auf der Suche nach Handelsplätzen in der Ägäis auf der Insel niedergelassen. Hierzu berichtet Herodot (VI 47): Ich habe diese Bergwerke selbst gesehen. Bei weitem das merkwürdigste darunter war das, welches die Phoiniker entdeckt haben, die sich auf dieser Insel niederließen, die dann von diesem Phoiniker Thasos ihren Namen erhielt. Dieses phoinikische Bergwerk liegt auf Thasos zwischen Ainyra und Koinyra, Samothrake gegenüber, wo beim Schürfen ein ganzer Berg über die Halde gestürzt ist. Auch Pausanias bezeichnet Phöniker aus Tyros als die ursprünglichen Bewohner der Insel (V 25,12). Ein weiteres Indiz für einen phönikischen Einfluss könnte in der Verehrung des Herakles auf Thasos und des melkartischen Herakles der Phöniker in Tyros zu finden sein. Herodot schreibt dazu (II,44): In Tyros sah ich noch einen anderen Tempel des Herakles, den man den Thasischen nennt. Ich begab mich also auch nach Thasos und fand dort einen Tempel des Herakles, den Phöniker errichtet hatten, als sie auf der Suche nach der Europa zu Schiff dort hingekommen waren.

Der Dichter der Parier, Archilochos, erwähnt die Phöniker nicht. Auch ein archäologischer Nachweis ihrer Anwesenheit liegt bis heute nicht vor.


Archaische Zeit (650–500 v. Chr.)
Gesichert ist die Kolonisation der Insel durch Siedler aus Paros unter der Führung des Telesikles in der ersten Hälfte des 7. Jahrhundert v. Chr. Unter ihnen befand sich der griechische Lyriker Archilochos, der harte Auseinandersetzungen mit thrakischen Stämmen beschreibt. Die Anwesenheit von Phönikern wird von ihm jedoch nicht erwähnt. Die parischen Siedler bemächtigten sich auch eines Küstenstreifens am Festland, der vom Nestos im Osten bis an den Strymon im Westen und über die Bergkette des Symvolon-, des Pangaion- und des Lekanis- Gebirges reichte.

Im 6. Jahrhundert v. Chr. kam es zur Gründung der Inselhauptstadt Limenas und der Festlandkolonien der Insel, der Thasitischen Peraia. Nachdem die Thasier Ende des sechsten Jahrhunderts v. Chr. den Tyrannen Symmachos von der Insel vertrieben hatten, errichteten sie für ihren Herrschaftsbereich ein demokratisches Gemeinwesen, eine Polis, wie sie in der Ägäis bereits zahlreich bestanden. Die Führung des Gemeinwesens lag bei drei gewählten Archonten.

In der Siedlung Thasos finden sich schon im 7.Jhd. erste Tempelbauten, im 6.Jhd. der zentrale Herakles-Tempel, auf der Akropolis der Tempel der Athena und des Apollo. Gegen 500 v. Chr. begann der Bau der marmornen Stadtmauer.

Im 6. Jhd.v. Chr. setzte die Münzprägung ein. Mit großer Wahrscheinlichkeit besaß damals Thasos gleichzeitig zwei Prägestätten, die eine auf Thasos, die andere in seiner Peraia, am Festland. In einem in Asyut / Ägypten gefundenen Münzschatz fanden sich thasitische Prägungen.


Im 5. Jhd.v. Chr. hatte das thasitisches Gemeinwesen seine Hochblüte erreicht. Es entstanden zahlreiche Kultbauten u.a. der Tempel (die Heiligtümer) der Stadtgöttin Athene, der Schutzgöttin Artemis, des melkartischen Herakles, des Dionysos, die Agora mit dem Zeustempel, verschiedene öffentliche Bauten (Parlament und Rektorat), die Akropolis mit dem Tempel der Athene und des Pydnischen Apoll. Ein Theater für 2000 bis 3000 Besucher wurde gebaut, die marmorne 4 km lange Stadtmauer mit zahlreichen Prunktoren fertig gestellt. Ein sicherer Handelshafen und ein Kriegshafen entstanden eine starke Handels- und Kriegsflotte wurde gebaut. Thasos war zu dieser Zeit die dichtbesiedeltste Insel der Ägäis.

Für die rege Bautätigkeit in der Hauptstadt stand der auf der Insel gewonnene Marmor zur Verfügung. Mit der Besiedlung durch die Parier wurde dieser Abbau intensiviert. Die Verwendung und die großartige künstlerische Bearbeitung des weißen Thasos-Marmors manifestiert sich in den, in der Stadt und auf dem Akropolishügel errichteten zahlreichen Kultbauten, Statuen und Denkmälern.

Mit ihren reichen Edel- und Buntmetall-Vorkommen, den Bergwerken und Verhüttungsstätten, sowie den Edelmetallvorkommen in der Thasitischen Peraia besaßen die griechischen Kolonialisten eine fundierte wirtschaftliche Basis für ihren Siedlungsbereich. Herodot berichtet (VI, 46): Die Einkünfte von den Goldbergwerken in Skapte Hyle allein betrugen in der Regel jährlich achtzig Talente und die von Bergwerken auf Thasos selbst nur etwas weniger, so dass die Thasier … im Ganzen alle Jahre zweihundert, in guten Jahren wohl gar dreihundert Talente bezogen. Hinzu kam der große Holzreichtum der Insel, der vor allem für den Schiffsbau von großem Wert war, sowie der Weinanbau. Thasitischer Wein wurde auch in ferne Länder exportiert. Die Handelsbeziehungen reichten bis an die kleinasiatische Küste, nach Rhodos, Siphnos, Chios, Attika und Korinth. Thasische Weinamphoren in Persien und Ägypten gefunden.


Klassische Zeit (500–336 v. Chr.)
Die Perser-Kriege (492 - 480 v. Chr.)Nach Beendigung des Ionischen Aufstandes und der Niederlage der Perser ging Histiaios, Tyrann von Milet und Satrap des persischen Großkönigs Dareios I. 494 v.Chr. auf Raubzug und belagerte auch das befestigte Thasos. Er musste unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Im ersten Perserkrieg von 492 v.Chr. wurde Thasos vom durchziehenden persischen Heer des Dareios unter ihrem Feldherrn Mardonios bedrängt. Die Insel musste sich unterwerfen und wurde unter persische Oberhoheit gestellt. Da die Thasier jedoch nachfolgend weiter aufrüsteten, ordnete Dareios an, die Mauern der Stadt zu schleifen und die thasitische Kriegsflotte in Abdera an die Perser auszuliefern. Nach der Niederlage der Perser bei Marathon und ihrem Rückzug bauen die Thasier ab 491 v.Chr. ihre Stadtmauer wieder auf und rüsten eine neue Kriegsflotte aus. An strategischen Punkten der Nordägäis hinterließ Dareios persische Besatzungen. Weder auf Thasos noch in der Peraia scheint dies jedoch der Fall gewesen zu sein.

Beim dritten Ansturm der Perser 480 v.Chr. unter Xerxes I. unterwarfen sich die Thasier aufs Neue. Über die Kriegs- und anschließende Besatzungszeit bis 479 v.Chr. berichtet Herodot: Die Griechen, die das Heer des Xerxes aufnehmen mussten, gerieten dadurch in große Not, sodass sie Haus und Hof verließen. Den Thasiern zum Beispiel, die wegen ihrer Städte auf dem Festlande sein Heer aufnehmen und verpflegen mussten, kostete das vierhundert Talente Silber. Herodot beschreibt auch die Tributeintreibung der Perser. Als die Griechen nach den Siegen von Salamis, Plataiai, und Mykale das persische Joch abgeschüttelt hatten, musste sich Thasos, wie alle Stadtstaaten an der thrakischen Küste, 479 v.Chr. unter die Vorherrschaft der Athener begeben.

Nach Gründung des ersten Attisch-Delischen Seebundes zur Fortführung der Perserkriege, trat Thasos diesem Bündnis 478 v.Chr. bei und wird den Athenern, die die Bundeskasse führten, tributpflichtig. Gleichzeitig erstarkten nach Beendigung der Persischen Kriege die thrakischen Stämme im nordägäischen Raum und bedrängten die griechischen Städte und Siedlungen. Der Thrakische Fürst Teres gründete das mächtige Königreich der Odryser. Seine Nachfolger Sitalkes und Seuthes erweiterten das Reich vom Strymon bis nach Byzantion und von der Nordägäis bis an die Donau. Die griechischen Städte an der nordägäischen Küste und die Insel Thasos, mussten jetzt Tribut an den Bund (3 Talente pro Jahr) und Abgaben an die Odrysen entrichten.


Attischer Seebund 431 v. Chr.Als Thasos den Seebund aufkündigte und von Athen abfiel, erschien der Athener Stratege Kimon mit einer Flotte vor Thasos, besiegte in einer Seeschlacht die Thasiten, die dabei 30 Schiffe verloren, und eroberte nach langer Belagerung 463 v.Chr. die Stadt Thasos. Wegen seines Abfalls wurde Thasos hart bestraft und verlor seine Kolonien in der Peraia. Die Athener beherrschten die Insel bis 447/6 v.Chr.. Thasos geriet in der etwa 20 Jahre währenden Unterwerfung in große finanzielle Not. 446/5 v.Chr. gaben die Athener die Kolonien in der Peraia wieder zurück, erhöhten dafür jedoch die Steuern von 3 auf 30 Talente.

423 v.Chr. verlor Thasos die beiden bedeutenden Peraia-Siedlungen und -Handelsplätze von Galypsos und Oisyme an die Spartaner unter ihrem Feldherrn Brasidas. Der Athener Heerführer Kleon vertrieb die Spartaner wiederum 422 v.Chr. aus Galypsos.

340 v. Chr. fiel die Insel an Philipp II., den König von Makedonien.


Byzanz und die Genueser
Die byzantinische Zeitrechnung beginnt für Thasos mit dem Bekannt werden der christlichen Religion im Jahre 52 n. Chr., als der Apostel Paulus von Troja kommend in Neapolis (Kavala), der größten Stadt in der ehemaligen thasitischen Peraia, eintrifft, und von dort nach Philippi weiterzieht. Die ersten Jahrhunderte unter Byzanz blüht die Insel auf, dann jedoch, zwischen 571 und 675 n. Chr., leiden die Bewohner zunehmend unter Angriffen verschiedener slawischer Völkerschaften, u.a. der Awaren. Im Jahre 765 n. Chr. überfallen slawische Piraten (Bulgaren?) die Insel und vertreiben die Einwohner. Der byzantinische Kaiser Konstantin V. Kopronymos kann sie nicht vertreiben. Im Jahre 904 erscheinen die Sarazenen, richten sich auf der Insel ein, bauen Schiffe und Belagerungsmaschinen und verschleppen viele der Einwohner nach Kreta. Von 961 bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Franken im Jahre 1204 herrschen dann in Thasos wiederum die Byzantiner.


Reste der venezianischen Burg auf der Akropolis von LimenaIm vierten Kreuzzug nimmt der Doge Enrico Dandolo mit seinem venezianisch-fränkischen Heer auf dem Wege nach Konstantinopel um 1204 die Insel Thasos ein. Er errichtet auf der Akropolis eine Burganlage und befestigt die Stadtmauern. Die Rückeroberung Konstantinopels durch Michael VIII. Paläologos hat zur Folge, dass Thasos wiederum in den byzantinischen Staatenbund zurückkehrt.

Anfang des 13. Jhd. wird die Insel vom Johanniterorden, von Spaniern und anderen Eroberern ausgeplündert. Kaiser Andronikos II. versucht vergebens die Insel von den Spaniern zu befreien. Bonifatius von Montferrat, der Anführer des vierten Kreuzzuges gründet das Königreich von Thessaloniki, erobert Thasos von den Venezianern und hält es 3 Jahre in seinem Besitzt. Unter Michael VIII. wird 1261 nach der byzantinischen Rückeroberung von Konstantinopel wird die Insel Thasos wieder dem byzantinische Reich angegliedert.

1306 beleiht der byzantinische Kaiser Michael IX. Palaiologos, die Genueser Familie Gattilusio mit der Insel Thasos. Der genuesische Glücksritter Tidedia (Tedisio) Zaccaria nimmt die Insel ein und wird Statthalter der Genuesen. Die Burganlage auf der Akropolis wird erweitert, Zisternen werden dort angelegt, eine Kirche entsteht. Die Byzantiner übernehmen 1313 wiederum die Insel.

Nach dem Bruderkrieg in Byzanz (1341–1354) wird Thasos, Samothraki, Imbros und Limnos 1354 dem Genueser Francisco I. Gattilusio, dem Archonten von Lesbos, für seine Unterstützung bei der Befreiung von Konstantinopel überlassen. Die Insel erlebt eine Hochblüte vor allem auf dem Gebiet des Handels. Es werden an verschiedenen Orten Wehrbauten und Burgen errichtet. Flüchtlinge aus Konstantinopel siedeln sich an und errichten u.a. eine Ortschaft in der Nähe des heutigen Dorfes Theologos. Der byzantinische Kaiser Manuel II. erobert 1414 Thasos und übergibt die Herrschaft dem Genueser Dorino I. oder Jacopo. 1455 verlässt die genuesische Familie Gattilusio die Insel. Infolge des Sieges der Türken über Byzanz werden bis 1475 sämtliche genuesische Kolonien und Niederlassungen in der Ägäis aufgegeben.


Wirtschaft
Der Fremdenverkehr ist heute der mit Abstand wichtigste Wirtschaftsfaktor. Hauptprodukte von Thasos sind Marmor, Honig und Olivenöl, die Schaf- und Ziegenzucht und der Fischfang.


Verkehrsverbindungen
Thasos hat keinen eigenen Flughafen, der nächste internationale Flughafen ist der Kavala International Airport „Megas Alexandros“. Er liegt verkehrsgünstig nordwestlich von Thassos zwischen den beiden Hafenstädten Kavala und Keramoti.

Per Fährschiff ist Thasos täglich von Kavala und von Keramoti aus zu erreichen, von Kavala aus fahren Schiffe sowohl nach Thassos/Stadt (Limenas) als auch nach Skala Prinos dem zweitgrößten Hafen im Nordwesten der Insel.

Auf der Insel gibt es ein gutausgebautes Busverkehrsnetz mit z.T. zweistündiger Frequenz der Linien zwischen den wichtigsten Orten.


Fremdenverkehr
Blick vom Bärenloch, unterhalb des Gipfels des Profitis Ilias, auf die Inselhauptstadt Limenas. Im Hintergrund das nordgriechische Festland mit der vorgelagerten Insel Thasopula (Klein-Thasos)Seit einigen Jahren entwickelt sich die landschaftlich reizvolle Insel Thassos mehr und mehr zum beliebten Touristenziel. Bislang waren es vorwiegend Griechen vom Festland, die ihren Sommerurlaub auf Thassos verbrachten. Doch seit die Insel auch vom internationalen Pauschaltourismus entdeckt wurde, zieht es von Jahr zu Jahr mehr ausländische Touristen, darunter viele Deutsche, Österreicher und Skandinavier, hierher. Die Reisezeit reicht von Mitte Mai bis Anfang Oktober. Vor allem zur Hochsaison im August sind sämtliche Hotels auf der Insel und die wenigen Ferienflieger nach Kavala belegt, Thassos scheint derzeit einen regelrechten Boom im Tourismus zu erfahren. In Anbetracht der zahlreichen schönen Sandstrände, der einladenden Landschaft und der antiken Sehenswürdigkeiten wird dies leicht verständlich. Die wichtigsten und lebhaftesten Touristenorte an der Küste sind Limenas (Hauptort der Insel), Skala Potamias, Potos, Limenaria und Skala Prinos. Alle diese Orte bieten viele Hotels, Geschäfte, Tavernen und Bars. Etwas ruhiger sind die kleinen Ortschaften Chrissi Ammoudia, Kinira, Astris, Skala Marion und Skala Rachoni, wobei alle über empfehlenswerte Strände verfügen. Die schönsten sind Golden Beach im Nordosten, Paradissos im Osten, Aliki im Südosten, Psili Ammos im Süden und Tripiti im Südwesten. Dabei handelt sich ausschließlich um feine Sandstrände, die flach ins kristallklare Wasser der Ägäis abfallen und somit überaus kinderfreundlich sind. Durch die gut ausgebaute Ringstraße, welche immer in Küstennähe verläuft, sind sämtliche Strände und Orte gut erreichbar. Am besten mietet man sich ein Auto oder fährt mit den nicht immer zuverlässigen Linienbussen, um auf der Insel beweglich zu sein. Übrigens ist Thassos nicht nur für Strandliebhaber, sondern auch für Wanderer ein optimales Revier. Besonders hervorzuheben sind der Nordosten mit dem höchsten Inselberg Ipsarion (1206 m), aber auch Wasserfälle, Bergdörfer und Kirchen sind Ziele.


Wein
Die Geschichte des Weinbaus in Griechenland beinhaltet die herausragende Stellung der Insel Thasos. Bereits im fünften Jahrhundert v. Chr., insbesondere aber im vierten und dritten Jahrhundert v. Chr. wurde auf Thasos Wein angebaut und exportiert. Der thasische Rotwein war als der qualitätsvollste in der griechischen Welt dem von Chios gleichgestellt. Nach den Amphorentypen und Henkelstempeln wurden die Brennöfen und Werkstätten auf Thasos lokalisiert. Weinamphoren aus Thasos wurden in Makedonien, Thrakien, in den griechischen Kolonien, in Kleinasien, Syrien, Palästina, Ägypten und Persien gefunden. Der Weinexport hatte enorme wirtschaftliche Bedeutung. Nach dem dritten Jahrhundert v. Chr. ließ der Export nach und verstärkte sich wieder in der Römerzeit. Heute spielt der Weinanbau nur noch im lokalen Verbrauch eine Rolle.


Bergbau
Der Bergbau auf der Insel Thasos begann nach neueren Erkenntnissen vor etwa 20 Jahrtausenden mit der Gewinnung von Rotocker, setzte sich ab etwa dem 8. Jahrtausend v. Chr. bis in byzantinische Zeit mit dem Abbau von Buntmetallerzen, Edelmetallerzen und Marmor fort, und wurde im 20. Jahrhundert mit Zinkerzen, Eisenerzen und Marmor wiederaufgenommen. Heute wird auf der Insel ausschließlich noch der Abbau von Marmor betrieben.



 

 

 

 

 

 

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