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Thassos Nordägäische Insel Griechenland
Thasos oder Thassos (griechisch Θάσος) ist eine
Insel im Nordosten Griechenlands im Ägäischen Meer, ca. acht
Kilometer von der makedonisch-thrakischen Küste entfernt. Sie ist
die nördlichste Insel des griechischen Archipels. In frühen
Dichtungen und Beschreibungen wird die Insel auch Äria, Hethria,
Chryssi, Hedonis oder Akti genannt.
Thasos ist als Dimos Thasou (Δήμος Θάσου) eine der elf Gemeinden der
griechischen Präfektur Nomos Kavalas (Νομός Καβάλας) in der
Verwaltungsregion Ostmakedonien und Thrakien (Ανατολική Μακεδονία
και Θράκη, Anatolikí Makedonía ke Thráki). Laut der Volkszählung von
2005 hat Thasos etwa 16.000 Einwohner, Hauptort der Insel ist der
auch „Limena“ genannte Küstenort Thasos.
Auf der Insel Thasos befand sich der älteste Untertage-Bergbau
Europas, in dem Rotocker gewonnen wurde, mit spektakulären
jungsteinzeitlichen Funden. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass die
Insel zur damaligen Zeit innerhalb des Nordägäischen Schelfs noch
mit dem Festland verbunden war.
Geographie
Satellitenbild der InselGeographisch zählt die Insel zur Region
Thrakien. Mit einer Fläche von rund 380 Quadratkilometer ist sie die
zwölftgrößte Insel Griechenlands. Der höchste Berg auf der
gebirgigen Insel ist der Ypsario (Ψαριό oder Υψάριο) mit 1204
Metern. Der Gipfel ist Teil eines Marmormassivs. Der Hauptinsel sind
drei kleinere Inseln vorgelagert: Thasopoulo im Norden, Kynira im
Osten und Panaghia im Süden mit Flächen von je etwa 0,4
Quadratkilometer und Erhebungen von 60 bis 80 Metern. Der frühere
Hauptort war Theologos im Inneren der Insel.
Mythologie
Zur Herleitung des Namens der Insel gibt es verschiedene
mythologische Varianten. Die erste, meistgenannte, besagt, dass
Thasos, Sohn des phönikischen Königs Agenoras, während der Suche
nach seiner Schwester Europa, die von Zeus als Stier entführt worden
war, auf die Insel kam und sich hier ansiedelte. Dieser phönikischen
Version steht eine parische Variante gegenüber, die besagt, dass
Herkules einst die Insel dem parischen König Androgenos schenkte,
der sie wiederum seinen Söhnen Stenelos und Alkaios vermachte. Der
erste parische Ansiedler soll Thasos gewesen sein. Dem Anführer der
parischen Kolonisten, Telessikles, soll das Orakel von Delphi
befohlen haben, auf der Insel „Äria“ eine Stadt aufzubauen (nach
Eusebios VII,256).
Geschichte
Vorgeschichte
Jungpaläolithikum
Nordägäischer Schelf, um etwa 14.000 (oder etwa 16.000) v. Chr.In
der jüngeren Altsteinzeit (20. Jahrtausend v. Chr.) war die heutige
Insel Thasos über eine ebene Landbrücke mit dem Festland verbunden.
Die westliche Küste der Thasos-Halbinsel setzte in einer Bucht etwa
zehn Kilometer südlich des heutigen Kavala an, verlief nach Süden
und erreichte die heutige Insel etwa bei Skala Maries. Die Ostküste
erstreckte sich vom Südende der Bucht von Potamia nach Ostnordost.
Tier wie Mensch hatten über die breite Landbrücke einen
ungehinderten Zugang in den Bereich dieser Halbinsel. Die ersten
Anzeichen menschlichen und tierischen Lebens fanden sich im Südosten
von Thasos in einem ins Inselinnere reichenden Tal, etwa 15
Kilometer von Skala Maries entfernt. Im Bereich der
Eisenerzvorkommen von Mavrolakka wurden dort 1956 die
Rotocker-Abbaue von Tzines entdeckt (siehe Bergbau, Rotocker). Vor
allem die Datierung von Knochenfunden aus dem dortigen Abbau T1
weist in die zweite Hälfte der Altsteinzeit, in das
Jungpaläolithikum.
Die Anwesenheit des Menschen in den fruchtbaren Küstenebenen
Thrakiens im Paläolithium war bereits durch verschiedene Funde, u.
a. in der Ebene von Komotini, bekannt. Es waren unbehauste Menschen,
die von Jagd, Fischfang und dem Sammeln von Nahrung lebten. Im
Bereich von Tzines nutzten sie möglicherweise bergbauliche Hohlräume
oder natürliche Höhlen als Unterschlupf. Mit dem Eisenerzabbau im
20. Jahrhundert dürften entsprechende Hinweise verloren gegangen
sein.
Die große Anzahl von Hornwerkzeugen bezeugt das Auftreten des
Auerochsen Bos taurus primigenius und setzt eine Zeit voraus, in
welcher Thasos über die Landbrücke noch mit dem Festland verbunden
war. Die gefundenen abgearbeiteten Hörner der Antilopen-Gattung
Saiga tatarica, sind definitiv vor das 10. Jahrtausend v. Chr. zu
datieren. Die Saiga gab es zuletzt noch vor 13.000 Jahren in den
ukrainischen Steppen.
Neolithikum
Pflanzenanbau und Tierhaltung führten im Neolithikum zur
Niederlassung in festen Siedlungen, Errichtung von Stein- oder
Pfostenhäusern unter Verwendung von Lehm und gebrannten Ziegeln.
Keramikwaren finden sich im täglichen Gebrauch und in der
Vorratswirtschaft.
Nach dem Stand der Forschung von 1996 ist die älteste Siedlung auf
Thasos, die diesem Muster entspricht, die 1986 entdeckte und 1993
bis 1994 ausgegrabene Ansiedlung im Südwesten der Insel, am Westrand
des heutigen Ortes Limenaria. Der Siedlungsbereich liegt am
südwestlichen Ende einer Hügelkette, nahe der Küste. Die Besiedlung
erfolgte im 6. Jahrtausend v. Chr., in der letzten Phase des
Mittelneolithikums. Überreste an der Oberfläche deuten darauf hin,
dass die Ansiedlung noch im Jungneolithikum bevölkert war. Ergraben
wurden Pfostenlöcher, Reste von Steinmauern, Terrassenpflasterungen,
Herdstellen und eingetiefte runde Erdsilos oder Vorratsgruben mit
Vasenfragmenten, Werkzeugen verschiedener Art sowie einer
Beerdigungsstätte. An anderer, hangaufwärts gelegener Stelle des
Hügels existieren Siedlungsschichten aus der Älteren Bronzezeit,
ausgegraben 1995 und 1996.
Bei erkennbaren Unterbrechungen erstreckten sich die bergbaulichen
Tätigkeiten im Rötelabbau T1 in Tzines vom Jungpaläolithikum über
einen längeren Zeitraum bis ins Neolithikum. Am Hang über T1 wurde
ein weiterer untertägiger Abbau entdeckt. Da keine Hornwerkzeuge und
nur wenige Flintwerkzeuge gefunden wurden, hier also eine andere
Gewinnungsmethode zur Anwendung kam, handelt es sich um eine jüngere
Abbauperiode als bei T1 (Jungpaläolithikum). Hinzu kommen die
Untertagebaue T3 und T6, die ebenfalls hier einzuordnen sind. Die
späteste Datierung dieser Baue liegt im Altneolithikum, bei etwa
6400 v. Chr. Allerdings ist ein Abbau bis ins Mittelneolithikum (5.
Jahrtausend v. Chr.) nicht unwahrscheinlich.
Ebenfalls in das Neolithikum datiert werden eine Grotte in Skala
Marion sowie ein wahrscheinlicher Siedlungsplatz am Akropolisberg
von Limena durch Funde von Gefäßen, Werkzeugen und Keramiken am
Akropolishang.
Als die wichtigste Grabungsstätte von Ostmakedonien und Thrakien
wird die von Kastri bezeichnet. Fünf Kilometer vom heutigen
Küstenort Potos entfernt, mit steilem Anstieg auf eine Höhe von 278
Meter, liegen auf einem hoch aufragenden Felsplateau die Überreste
einer prähistorischen Akropolis. Ihre Gründung geht in die Mittel-
bis Spät-Jungsteinzeit zurück. Die Siedlung im Bereich von Kastri
dürfte bis in die Frühe Eisenzeit bewohnt gewesen sein, was sich aus
den Ausgrabungen in den naheliegenden Nekropolen schließen lässt.
Bronzezeit
In der vorgriechischen, präkolonialen Periode waren die Bewohner der
Insel Angehörige thrakischer Stämme. Thasos erlebte Ende des achten
und in der ersten Hälfte des siebten Jahrhunderts einen ökonomischen
Aufschwung. Grundlage hierfür war sicherlich die auf Thasos in der
Frühen Eisenzeit einsetzende bzw. verstärkte Ausbeutung von
Bodenschätzen, insbesondere von Eisen, Blei und Silber. Außerdem
fand reger Handel mit den Inseln der nördlichen Ägäis und mit
Kleinasien statt, was vielfältige Keramikimporte beweisen. Mit den
Funden aus dem Artemision zeigt sich ein Überfluss und Reichtum an
Opfergaben, die auch den handwerklichen Fortschritt auf Thasos
manifestieren.
Dabei könnte aber auch das Zusammentreffen zweier Kulturen, die eine
aus dem Süden, die andere aus dem Nordost-Raum der Ägäis oder aus
Kleinasien stammend, eine Rolle gespielt haben. Möglicherweise haben
sich Phöniker auf der Suche nach Handelsplätzen in der Ägäis auf der
Insel niedergelassen. Hierzu berichtet Herodot (VI 47): Ich habe
diese Bergwerke selbst gesehen. Bei weitem das merkwürdigste
darunter war das, welches die Phoiniker entdeckt haben, die sich auf
dieser Insel niederließen, die dann von diesem Phoiniker Thasos
ihren Namen erhielt. Dieses phoinikische Bergwerk liegt auf Thasos
zwischen Ainyra und Koinyra, Samothrake gegenüber, wo beim Schürfen
ein ganzer Berg über die Halde gestürzt ist. Auch Pausanias
bezeichnet Phöniker aus Tyros als die ursprünglichen Bewohner der
Insel (V 25,12). Ein weiteres Indiz für einen phönikischen Einfluss
könnte in der Verehrung des Herakles auf Thasos und des
melkartischen Herakles der Phöniker in Tyros zu finden sein. Herodot
schreibt dazu (II,44): In Tyros sah ich noch einen anderen Tempel
des Herakles, den man den Thasischen nennt. Ich begab mich also auch
nach Thasos und fand dort einen Tempel des Herakles, den Phöniker
errichtet hatten, als sie auf der Suche nach der Europa zu Schiff
dort hingekommen waren.
Der Dichter der Parier, Archilochos, erwähnt die Phöniker nicht.
Auch ein archäologischer Nachweis ihrer Anwesenheit liegt bis heute
nicht vor.
Archaische Zeit (650–500 v. Chr.)
Gesichert ist die Kolonisation der Insel durch Siedler aus Paros
unter der Führung des Telesikles in der ersten Hälfte des 7.
Jahrhundert v. Chr. Unter ihnen befand sich der griechische Lyriker
Archilochos, der harte Auseinandersetzungen mit thrakischen Stämmen
beschreibt. Die Anwesenheit von Phönikern wird von ihm jedoch nicht
erwähnt. Die parischen Siedler bemächtigten sich auch eines
Küstenstreifens am Festland, der vom Nestos im Osten bis an den
Strymon im Westen und über die Bergkette des Symvolon-, des
Pangaion- und des Lekanis- Gebirges reichte.
Im 6. Jahrhundert v. Chr. kam es zur Gründung der Inselhauptstadt
Limenas und der Festlandkolonien der Insel, der Thasitischen Peraia.
Nachdem die Thasier Ende des sechsten Jahrhunderts v. Chr. den
Tyrannen Symmachos von der Insel vertrieben hatten, errichteten sie
für ihren Herrschaftsbereich ein demokratisches Gemeinwesen, eine
Polis, wie sie in der Ägäis bereits zahlreich bestanden. Die Führung
des Gemeinwesens lag bei drei gewählten Archonten.
In der Siedlung Thasos finden sich schon im 7.Jhd. erste
Tempelbauten, im 6.Jhd. der zentrale Herakles-Tempel, auf der
Akropolis der Tempel der Athena und des Apollo. Gegen 500 v. Chr.
begann der Bau der marmornen Stadtmauer.
Im 6. Jhd.v. Chr. setzte die Münzprägung ein. Mit großer
Wahrscheinlichkeit besaß damals Thasos gleichzeitig zwei
Prägestätten, die eine auf Thasos, die andere in seiner Peraia, am
Festland. In einem in Asyut / Ägypten gefundenen Münzschatz fanden
sich thasitische Prägungen.
Im 5. Jhd.v. Chr. hatte das thasitisches Gemeinwesen seine Hochblüte
erreicht. Es entstanden zahlreiche Kultbauten u.a. der Tempel (die
Heiligtümer) der Stadtgöttin Athene, der Schutzgöttin Artemis, des
melkartischen Herakles, des Dionysos, die Agora mit dem Zeustempel,
verschiedene öffentliche Bauten (Parlament und Rektorat), die
Akropolis mit dem Tempel der Athene und des Pydnischen Apoll. Ein
Theater für 2000 bis 3000 Besucher wurde gebaut, die marmorne 4 km
lange Stadtmauer mit zahlreichen Prunktoren fertig gestellt. Ein
sicherer Handelshafen und ein Kriegshafen entstanden eine starke
Handels- und Kriegsflotte wurde gebaut. Thasos war zu dieser Zeit
die dichtbesiedeltste Insel der Ägäis.
Für die rege Bautätigkeit in der Hauptstadt stand der auf der Insel
gewonnene Marmor zur Verfügung. Mit der Besiedlung durch die Parier
wurde dieser Abbau intensiviert. Die Verwendung und die großartige
künstlerische Bearbeitung des weißen Thasos-Marmors manifestiert
sich in den, in der Stadt und auf dem Akropolishügel errichteten
zahlreichen Kultbauten, Statuen und Denkmälern.
Mit ihren reichen Edel- und Buntmetall-Vorkommen, den Bergwerken und
Verhüttungsstätten, sowie den Edelmetallvorkommen in der
Thasitischen Peraia besaßen die griechischen Kolonialisten eine
fundierte wirtschaftliche Basis für ihren Siedlungsbereich. Herodot
berichtet (VI, 46): Die Einkünfte von den Goldbergwerken in Skapte
Hyle allein betrugen in der Regel jährlich achtzig Talente und die
von Bergwerken auf Thasos selbst nur etwas weniger, so dass die
Thasier … im Ganzen alle Jahre zweihundert, in guten Jahren wohl gar
dreihundert Talente bezogen. Hinzu kam der große Holzreichtum der
Insel, der vor allem für den Schiffsbau von großem Wert war, sowie
der Weinanbau. Thasitischer Wein wurde auch in ferne Länder
exportiert. Die Handelsbeziehungen reichten bis an die
kleinasiatische Küste, nach Rhodos, Siphnos, Chios, Attika und
Korinth. Thasische Weinamphoren in Persien und Ägypten gefunden.
Klassische Zeit (500–336 v. Chr.)
Die Perser-Kriege (492 - 480 v. Chr.)Nach Beendigung des Ionischen
Aufstandes und der Niederlage der Perser ging Histiaios, Tyrann von
Milet und Satrap des persischen Großkönigs Dareios I. 494 v.Chr. auf
Raubzug und belagerte auch das befestigte Thasos. Er musste
unverrichteter Dinge wieder abziehen.
Im ersten Perserkrieg von 492 v.Chr. wurde Thasos vom durchziehenden
persischen Heer des Dareios unter ihrem Feldherrn Mardonios
bedrängt. Die Insel musste sich unterwerfen und wurde unter
persische Oberhoheit gestellt. Da die Thasier jedoch nachfolgend
weiter aufrüsteten, ordnete Dareios an, die Mauern der Stadt zu
schleifen und die thasitische Kriegsflotte in Abdera an die Perser
auszuliefern. Nach der Niederlage der Perser bei Marathon und ihrem
Rückzug bauen die Thasier ab 491 v.Chr. ihre Stadtmauer wieder auf
und rüsten eine neue Kriegsflotte aus. An strategischen Punkten der
Nordägäis hinterließ Dareios persische Besatzungen. Weder auf Thasos
noch in der Peraia scheint dies jedoch der Fall gewesen zu sein.
Beim dritten Ansturm der Perser 480 v.Chr. unter Xerxes I.
unterwarfen sich die Thasier aufs Neue. Über die Kriegs- und
anschließende Besatzungszeit bis 479 v.Chr. berichtet Herodot: Die
Griechen, die das Heer des Xerxes aufnehmen mussten, gerieten
dadurch in große Not, sodass sie Haus und Hof verließen. Den
Thasiern zum Beispiel, die wegen ihrer Städte auf dem Festlande sein
Heer aufnehmen und verpflegen mussten, kostete das vierhundert
Talente Silber. Herodot beschreibt auch die Tributeintreibung der
Perser. Als die Griechen nach den Siegen von Salamis, Plataiai, und
Mykale das persische Joch abgeschüttelt hatten, musste sich Thasos,
wie alle Stadtstaaten an der thrakischen Küste, 479 v.Chr. unter die
Vorherrschaft der Athener begeben.
Nach Gründung des ersten Attisch-Delischen Seebundes zur Fortführung
der Perserkriege, trat Thasos diesem Bündnis 478 v.Chr. bei und wird
den Athenern, die die Bundeskasse führten, tributpflichtig.
Gleichzeitig erstarkten nach Beendigung der Persischen Kriege die
thrakischen Stämme im nordägäischen Raum und bedrängten die
griechischen Städte und Siedlungen. Der Thrakische Fürst Teres
gründete das mächtige Königreich der Odryser. Seine Nachfolger
Sitalkes und Seuthes erweiterten das Reich vom Strymon bis nach
Byzantion und von der Nordägäis bis an die Donau. Die griechischen
Städte an der nordägäischen Küste und die Insel Thasos, mussten
jetzt Tribut an den Bund (3 Talente pro Jahr) und Abgaben an die
Odrysen entrichten.
Attischer Seebund 431 v. Chr.Als Thasos den Seebund aufkündigte und
von Athen abfiel, erschien der Athener Stratege Kimon mit einer
Flotte vor Thasos, besiegte in einer Seeschlacht die Thasiten, die
dabei 30 Schiffe verloren, und eroberte nach langer Belagerung 463
v.Chr. die Stadt Thasos. Wegen seines Abfalls wurde Thasos hart
bestraft und verlor seine Kolonien in der Peraia. Die Athener
beherrschten die Insel bis 447/6 v.Chr.. Thasos geriet in der etwa
20 Jahre währenden Unterwerfung in große finanzielle Not. 446/5
v.Chr. gaben die Athener die Kolonien in der Peraia wieder zurück,
erhöhten dafür jedoch die Steuern von 3 auf 30 Talente.
423 v.Chr. verlor Thasos die beiden bedeutenden Peraia-Siedlungen
und -Handelsplätze von Galypsos und Oisyme an die Spartaner unter
ihrem Feldherrn Brasidas. Der Athener Heerführer Kleon vertrieb die
Spartaner wiederum 422 v.Chr. aus Galypsos.
340 v. Chr. fiel die Insel an Philipp II., den König von Makedonien.
Byzanz und die Genueser
Die byzantinische Zeitrechnung beginnt für Thasos mit dem Bekannt
werden der christlichen Religion im Jahre 52 n. Chr., als der
Apostel Paulus von Troja kommend in Neapolis (Kavala), der größten
Stadt in der ehemaligen thasitischen Peraia, eintrifft, und von dort
nach Philippi weiterzieht. Die ersten Jahrhunderte unter Byzanz
blüht die Insel auf, dann jedoch, zwischen 571 und 675 n. Chr.,
leiden die Bewohner zunehmend unter Angriffen verschiedener
slawischer Völkerschaften, u.a. der Awaren. Im Jahre 765 n. Chr.
überfallen slawische Piraten (Bulgaren?) die Insel und vertreiben
die Einwohner. Der byzantinische Kaiser Konstantin V. Kopronymos
kann sie nicht vertreiben. Im Jahre 904 erscheinen die Sarazenen,
richten sich auf der Insel ein, bauen Schiffe und
Belagerungsmaschinen und verschleppen viele der Einwohner nach
Kreta. Von 961 bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Franken
im Jahre 1204 herrschen dann in Thasos wiederum die Byzantiner.
Reste der venezianischen Burg auf der Akropolis von LimenaIm vierten
Kreuzzug nimmt der Doge Enrico Dandolo mit seinem
venezianisch-fränkischen Heer auf dem Wege nach Konstantinopel um
1204 die Insel Thasos ein. Er errichtet auf der Akropolis eine
Burganlage und befestigt die Stadtmauern. Die Rückeroberung
Konstantinopels durch Michael VIII. Paläologos hat zur Folge, dass
Thasos wiederum in den byzantinischen Staatenbund zurückkehrt.
Anfang des 13. Jhd. wird die Insel vom Johanniterorden, von Spaniern
und anderen Eroberern ausgeplündert. Kaiser Andronikos II. versucht
vergebens die Insel von den Spaniern zu befreien. Bonifatius von
Montferrat, der Anführer des vierten Kreuzzuges gründet das
Königreich von Thessaloniki, erobert Thasos von den Venezianern und
hält es 3 Jahre in seinem Besitzt. Unter Michael VIII. wird 1261
nach der byzantinischen Rückeroberung von Konstantinopel wird die
Insel Thasos wieder dem byzantinische Reich angegliedert.
1306 beleiht der byzantinische Kaiser Michael IX. Palaiologos, die
Genueser Familie Gattilusio mit der Insel Thasos. Der genuesische
Glücksritter Tidedia (Tedisio) Zaccaria nimmt die Insel ein und wird
Statthalter der Genuesen. Die Burganlage auf der Akropolis wird
erweitert, Zisternen werden dort angelegt, eine Kirche entsteht. Die
Byzantiner übernehmen 1313 wiederum die Insel.
Nach dem Bruderkrieg in Byzanz (1341–1354) wird Thasos, Samothraki,
Imbros und Limnos 1354 dem Genueser Francisco I. Gattilusio, dem
Archonten von Lesbos, für seine Unterstützung bei der Befreiung von
Konstantinopel überlassen. Die Insel erlebt eine Hochblüte vor allem
auf dem Gebiet des Handels. Es werden an verschiedenen Orten
Wehrbauten und Burgen errichtet. Flüchtlinge aus Konstantinopel
siedeln sich an und errichten u.a. eine Ortschaft in der Nähe des
heutigen Dorfes Theologos. Der byzantinische Kaiser Manuel II.
erobert 1414 Thasos und übergibt die Herrschaft dem Genueser Dorino
I. oder Jacopo. 1455 verlässt die genuesische Familie Gattilusio die
Insel. Infolge des Sieges der Türken über Byzanz werden bis 1475
sämtliche genuesische Kolonien und Niederlassungen in der Ägäis
aufgegeben.
Wirtschaft
Der Fremdenverkehr ist heute der mit Abstand wichtigste
Wirtschaftsfaktor. Hauptprodukte von Thasos sind Marmor, Honig und
Olivenöl, die Schaf- und Ziegenzucht und der Fischfang.
Verkehrsverbindungen
Thasos hat keinen eigenen Flughafen, der nächste internationale
Flughafen ist der Kavala International Airport „Megas Alexandros“.
Er liegt verkehrsgünstig nordwestlich von Thassos zwischen den
beiden Hafenstädten Kavala und Keramoti.
Per Fährschiff ist Thasos täglich von Kavala und von Keramoti aus zu
erreichen, von Kavala aus fahren Schiffe sowohl nach Thassos/Stadt (Limenas)
als auch nach Skala Prinos dem zweitgrößten Hafen im Nordwesten der
Insel.
Auf der Insel gibt es ein gutausgebautes Busverkehrsnetz mit z.T.
zweistündiger Frequenz der Linien zwischen den wichtigsten Orten.
Fremdenverkehr
Blick vom Bärenloch, unterhalb des Gipfels des Profitis Ilias, auf
die Inselhauptstadt Limenas. Im Hintergrund das nordgriechische
Festland mit der vorgelagerten Insel Thasopula (Klein-Thasos)Seit
einigen Jahren entwickelt sich die landschaftlich reizvolle Insel
Thassos mehr und mehr zum beliebten Touristenziel. Bislang waren es
vorwiegend Griechen vom Festland, die ihren Sommerurlaub auf Thassos
verbrachten. Doch seit die Insel auch vom internationalen
Pauschaltourismus entdeckt wurde, zieht es von Jahr zu Jahr mehr
ausländische Touristen, darunter viele Deutsche, Österreicher und
Skandinavier, hierher. Die Reisezeit reicht von Mitte Mai bis Anfang
Oktober. Vor allem zur Hochsaison im August sind sämtliche Hotels
auf der Insel und die wenigen Ferienflieger nach Kavala belegt,
Thassos scheint derzeit einen regelrechten Boom im Tourismus zu
erfahren. In Anbetracht der zahlreichen schönen Sandstrände, der
einladenden Landschaft und der antiken Sehenswürdigkeiten wird dies
leicht verständlich. Die wichtigsten und lebhaftesten Touristenorte
an der Küste sind Limenas (Hauptort der Insel), Skala Potamias,
Potos, Limenaria und Skala Prinos. Alle diese Orte bieten viele
Hotels, Geschäfte, Tavernen und Bars. Etwas ruhiger sind die kleinen
Ortschaften Chrissi Ammoudia, Kinira, Astris, Skala Marion und Skala
Rachoni, wobei alle über empfehlenswerte Strände verfügen. Die
schönsten sind Golden Beach im Nordosten, Paradissos im Osten, Aliki
im Südosten, Psili Ammos im Süden und Tripiti im Südwesten. Dabei
handelt sich ausschließlich um feine Sandstrände, die flach ins
kristallklare Wasser der Ägäis abfallen und somit überaus
kinderfreundlich sind. Durch die gut ausgebaute Ringstraße, welche
immer in Küstennähe verläuft, sind sämtliche Strände und Orte gut
erreichbar. Am besten mietet man sich ein Auto oder fährt mit den
nicht immer zuverlässigen Linienbussen, um auf der Insel beweglich
zu sein. Übrigens ist Thassos nicht nur für Strandliebhaber, sondern
auch für Wanderer ein optimales Revier. Besonders hervorzuheben sind
der Nordosten mit dem höchsten Inselberg Ipsarion (1206 m), aber
auch Wasserfälle, Bergdörfer und Kirchen sind Ziele.
Wein
Die Geschichte des Weinbaus in Griechenland beinhaltet die
herausragende Stellung der Insel Thasos. Bereits im fünften
Jahrhundert v. Chr., insbesondere aber im vierten und dritten
Jahrhundert v. Chr. wurde auf Thasos Wein angebaut und exportiert.
Der thasische Rotwein war als der qualitätsvollste in der
griechischen Welt dem von Chios gleichgestellt. Nach den
Amphorentypen und Henkelstempeln wurden die Brennöfen und
Werkstätten auf Thasos lokalisiert. Weinamphoren aus Thasos wurden
in Makedonien, Thrakien, in den griechischen Kolonien, in
Kleinasien, Syrien, Palästina, Ägypten und Persien gefunden. Der
Weinexport hatte enorme wirtschaftliche Bedeutung. Nach dem dritten
Jahrhundert v. Chr. ließ der Export nach und verstärkte sich wieder
in der Römerzeit. Heute spielt der Weinanbau nur noch im lokalen
Verbrauch eine Rolle.
Bergbau
Der Bergbau auf der Insel Thasos begann nach neueren Erkenntnissen
vor etwa 20 Jahrtausenden mit der Gewinnung von Rotocker, setzte
sich ab etwa dem 8. Jahrtausend v. Chr. bis in byzantinische Zeit
mit dem Abbau von Buntmetallerzen, Edelmetallerzen und Marmor fort,
und wurde im 20. Jahrhundert mit Zinkerzen, Eisenerzen und Marmor
wiederaufgenommen. Heute wird auf der Insel ausschließlich noch der
Abbau von Marmor betrieben.
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