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Eine Wanderung auf Kreta

Vorwärts in die Vergangenheit: Eine Wanderung nach Anópolis

Das ursprüngliche Kreta, einst vergessenes Land, vielleicht der Wilde Westen im Miniformat. Zu erleben in der Präfektur Chania. Wandern bis hinauf in das an die Felsen geklebte Minidörfchen Livanianá von Loutró aus. Oben, auf etwa 700 Metern Höhe, Rast in der Taverne mit weitem Blick auf das tiefblaue Meer. Die Taverne, nur eine einbetonierte Terrasse und zwei altertümliche Kühlschränke, die ihrer Aufgabe durchaus gerecht werden.

Von hier führt der Weg auf einsamen Almen in einem Gebiet, das Levká Óri, Weiße Berge, heißt. 60 Berge, jeder über 2000 Meter hoch, eine gewaltige Kulisse. Das ganze Gebirge überflutet von Düften des Salbei, des Majoran und des Thymian. Hier ist sie wieder: Kreta, die Insel der Düfte.

Eine Wanderstunde weiter das Kreta von Gestern: Anópolis, dieses winzige Dorf in der Sfakiá, das so viel heißen soll wie „das Land der Schluchten“. Legenden ranken sich um die Bewohner von Anópolis, deren Männer auf Kreta als die härtesten gelte.

Es ist eine arme Gegend, abgelegen von jeglicher Zivilisation. Und noch heute sollen die Bewohner auf ihre eigene Art Probleme durch Selbstjustiz lösen. Der griechische Rechtsstaat ist zu weit weg. Der Wanderer darf nicht erschrecken, wenn dunkel gekleidete gealterte Hirten vor den Tavernen sitzen, in Pumphosen und tiefschwarzen Hemden und abgewetzten Stiefeln, die viele Geschichten erzählen könnten. Sie tragen Haarnetze an denen Bommeln baumeln, und Schnurrbärte, die Furcht einflößen können. Und alle haben ihren eigenen Hirtenstab, ein Utensil des kretischen Stolzes. Frauen sieht man keine, sie sind zu beschäftigt, um es ihren Männern gleichzutun.

Dann plötzlich Eselgetrappel. Unter einem Strohhut das gegerbte Gesicht eines Mannes mit tiefen Augen und einem Schnurrbart der so schwarz wie gefärbt aussieht. Um den Leib gespannt ein riesiger Patronengurt und auf den Beinen liegend eine gewaltige Flinte. John Wayns griechischer Gegner auf dem Weg in die Einsamkeit der Weißen Berge.

Wahre Männer brauchen nicht viel. Die Hirten von Anópolis brauchen zu ihrem Glück nur ihr Gewehr, ihr Kartenspiel und ihre Schafherde, aber auch die Einsamkeit. Ein Stück echtes Kreta, ein Stück echtes Griechenland!
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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